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Hier und Heute [30.07.2010] Zwei von drei Autofahrern telefonieren täglich am Steuer - Freisprechanlage genauso gefährlich Handy am Steuer: Polizei sieht genauer hinAus Brüssel berichtet Gerd Zeimers Im Kino, Theater und Konzertsaal schaltet man bereitwillig das Handy aus - sei es, um nichts zu verpassen, sei es, um den Nachbar nicht zu stören. Eine Frage der Höflichkeit. Nur beim Autofahren, das mehr Aufmerksamkeit als ein Kinofilm verlangt und bei dem ungleich mehr auf dem Spiel steht, telefonieren und simsen die Belgier, was das Zeug hält, so als ob der Straßenverkehr eine Belanglosigkeit wäre. Der ausscheidende Staatssekretär Etienne Schouppe (CD&V) ist sauer, weil sich die Belgier der Gefahren des Telefonierens am Steuer nicht wirklich bewusst sind oder diese in den Wind schreiben, weil sie glauben, Telefonieren und Autofahrern problemlos kombinieren zu können. Zwei von drei Autofahrern hierzulande gaben in einer Umfrage zu, dass sie am Steuer täglich ihr Handy benutzen (ob mit oder ohne Freisprechanlage), 22 Prozent (jeder Fünfte) verschicken während des Fahrens sogar SMS (siehe auch unten). Grund genug für das Institut für Sicherheit im Straßenverkehr (IBSR), eine neue Sensibilisierungskampagne mit Plakaten zu starten, die auf emotionale Weise das erhöhte Unfallrisiko beim Handy am Steuer unterstreichen. Aber damit nicht genug: Polizei und Justiz werden in den kommenden Wochen dieser Problematik besondere Aufmerksamkeit schenken. Schon in der Vergangenheit seien die Polizeidienste nicht untätig gewesen und hätten Kontrollen durchgeführt, betonte Schouppe. In den ersten sechs Monaten 2009 seien 59197 Verstöße in Zusammenhang mit dem Handygebrauch am Steuer festgestellt worden. »Das Risiko, erwischt zu werden, ist also nicht zu gering, wie man glauben könnte«, so der Staatssekretär. Zahlreiche Autofahrer glauben, es sei ein Kinderspiel, gleichzeitig Auto zu fahren und zu telefonieren. »Sie sind sich nicht im Klaren, dass das Autofahren eine komplexe und dynamische Handlung ist, die eine ständige Konzentration verlangt, auch wenn es bei erfahrenen Autofahrern eher wie Routine aussieht«, erklärte Schouppe. »Das Ausführen einer zusätzlichen Aufgabe, wie das Telefonieren, vermindert automatisch die Fahrfähigkeit - mit allen damit verbundenen Risiken für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.« Die Reaktionszeit wird deutlich verlängert, der Fahrer ist abgelenkt, das Unfallrisiko nimmt um ein Vielfaches zu und ist vergleichbar mit dem beim Fahren mit 0,8 Promille. Frappierend: Das Risiko beim Telefonieren mit einer Freisprechanlage ist praktisch genauso hoch wie mit dem Handy in der Hand. Denn: Nicht nur die physischen, visuellen und auditiven Fähigkeiten des Fahrers sind beeinträchtigt, sondern auch die kognitiven. Besonders gefährlich ist das Verschicken von SMS: Der Fahrer ist nicht nur kognitiv, sondern auch visuell und physisch abgelenkt, er reagiert langsamer auf das, was er in seinem Sichtfeld wahrnimmt, fährt langsamer bzw. im Zickzackkurs und schaut weniger häufig auf die Straße. Statistiken über Unfälle in Verbindung mit dem Handygebrauch am Steuer liegen nicht vor - weder für Belgien noch für Europa. Der amerikanische National Safety Council schätzt, dass bei jedem vierten Unfall in den USA die Benutzung eines tragbaren Telefons eine Rolle spielt. Die Niederlande schätzen, dass es jährlich 600 Verkehrsopfer weniger im Lande gäbe, wenn Autofahrer nicht am Steuer telefonierten. »Für Belgien dürften die Zahlen vergleichbar sein«, meint Schouppe. Um einen Kommentar schreiben zu können müssen Sie angemeldet sein. |
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